Medien-Inkompetenzen, Folge 735. Heute: Die Stadt Augsburg

Blogger-Abmahnungen gibt es ja genügend. Ob man Würstchenfotos benutzt, den Sprachgebrauch des DFB-Präsidenten entlarvt oder Papiere der Deutschen Bahn veröffentlicht. Gerne wird abgemahnt. Aber das hat es meines Erachtens noch nicht gegeben: Eine Abmahnung gegen zukünftige Blogger. Da wollen drei Jungs aus Augsburg einen Blog eröffnen und kamen auf den Namen augsburgR. Und um direkt von Anfang an auf der sicheren Seite zu sein, fragen sie noch bei der Stadt Augsburg an, ob sie die Domain nutzen dürfen. Antwort der Stadt: Keine. Dafür ein Abmahnbescheid über 1890 Euro. WTF? In der Augsburger Allgemeinen liest man dazu:

Fleischmann habe eine “Namensanmaßung” begangen, verwende die Domain widerrechtlich und überhaupt könnten Menschen ja die Stadt Augsburg mit dem Blog augsburgr.de in Verbindung bringen – was so nicht sein dürfe.

Das finde ich auf zwei Ebenen zum Kotzen: Erstens ist es ein Ding der Unmöglichkeit, auf solch eine Anfrage mit der Abmahnung zu reagieren. Da kennen sich wohl Juristen besser aus, ich halte das für absolute Geldgier. Das ist bewusst gemacht, die Stadt Augsburg will damit nicht primär die eigenen Namesrechte sichern (dazu hätte auch ein einfaches “Nein” per E-Mail gereicht und das wäre schneller gegangen), sondern stellt die eigene Geldgeilheit in den Vordergrund. Das ist mutwillig und berechnend. Ich hoffe doch stark, dass so etwas nicht rechtens ist. Zweitens halte ich die Begründung für doppelt bekloppt. Wenn die Jungs aus Augsburg kommen, sind sie nun mal Augsburger. Oder im Zweinull-Slang: augsburgR. So what? Verletzte ich jetzt das Markenrecht der Stadt Düsseldorf, wenn ich sage ich bin ein “Düsseldorfer”?.  Oder erst wenn ich einen Blog “der-duesseldorfer.de” aufmache? Ich bin einer (ok, zugezogen) – also sollte ich auch so etwas machen dürfen. Genauso wie es das Bildblog gibt, oder das GoogleWatchblog.

Die stumpfen Waffen der Blogger

Ehrlich gesagt: Das ganze hätte ich auch als Kommentar unter Caschys Artikel posten können. Wollte ich aber nicht. Denn die einzige Möglichkeit die man als Blogger gegen so einen Bullshit unternehmen kann, ist sich zu vernetzen. Aufmerksamkeit schaffen. Seine Meinung öffentlich kund zu tun. Der schönen Stadt Augsburg die Google-Ergebnisse kaputt zu machen. Aber das tue ich nicht nur hier im Blog, sondern auch bei den Verantwortlichen. Und das ist das OB-Referat der Stadt Augsburg, namentlich auch deren Jurist Joachim Pfeilsticker. Darum habe ich auch folgende E-Mail an die jeweiligen Adressen geschickt (obreferat@augsburg.de und reko.obreferat@augsburg.de):

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrter Herr Pfeilsticker.

Mit großem Erstaunen habe ich zur Kenntnis genommen, dass sie eine kleine Gruppe von angehenden Bloggern abgemahnt haben, weil sie die Namensrechte der Stadt Augsburg verletzt gesehen haben. In einem Artikel der Augsburger Allgemeinen lese ich dazu, dass Sie die Anfrage des Bürgers nach Nutzung der Domain ignoriert und stattdessen mit der Abmahnung reagiert haben.

Dieses Vorgehen und auch die Ankündigungen von Herrn Pfeilsticker gegen weitere Webseiten vorzugehen, die angeblich das Namensrecht der Stadt Augsburg verletzen stößt mir Übel auf. Ich komme zu dem Schlus, dass es ihnen nicht primär um den Schutz des Namens der Stadt Augsburg geht, sondern schlicht und einfach Geldgeilheit im Vordergrund steht. Andernfalls hätten Sie mit einer kurzen Antwort, einem “Nein” auf die Anfrage reagieren können – sogar müssen. Dies wäre auch wesentlich schneller von Statten gegangen und der milliardenschwere Schaden, der ihrer Stadt durch die längere Existenz der Domain augsburgr.de entstanden ist, hätte vermieden werden können (ich hoffe Sie verstehen an dieser Stelle die Ironie des Textes).

Ihre angekündigten Maßnahmen gegen weitere Webseitenbetreiber sehe ich unter dem Selben Zeichen. Welcher Schaden soll ihnen konkret erstanden sein? Etwas mehr Öffentlichkeit? Oder etwa das Image, dass Bürger sich mit ihrer Heimatstadt Augsburg verbunden fühlen und dies ein schönes Fleckchen Erde sein könnte? Zumindest den Eindruck des Letzteren haben sie nachhaltig ruiniert, indem sie der Stadt Augsburg einen organisierten Imageschaden zufügen.

Für eine Antwort auf folgende Frage wäre ich Ihnen dankbar: Was geht in den Köpfen der Stadtoberen zu, die so auf eine harmlose Anfrage reagieren? In Zeiten der größten Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Stadt Augsburg nichts besseres zu tun, als die eigenen Bürger abzumahnen? Oder soll das ihre Strategie sein, um auf die angespannte Finanzlage sämtlicher Kommunen zu reagieren? Statt die Verursacher der Krise zur Kasse zu bitten, mögliche Wege aus der Krise aufzuzeigen triezen sie lieber ihre Bürger? Und bei der nächsten Kommunalwahl kratzen sie sich verdutzt am Kopf, da die Wahlbeteiligung wiedermal gesunken ist? Oder ist dies gar ein Coup, um den Oberbürgermeister als neue CSU-Größe zu etablieren, der die konservative Politik in Bayern noch mehr als bislang an den Bürgern des Freistaates vorbei führen soll?

Da ihnen scheinbar die Bürger, die sich mit ihrer Heimtatstadt identifizieren, ein Dorn im Auge sind interessiert sie vielleicht die Meinung eines Ausstehenden: Durch ihr ekelhaftes Verhalten konnten sie bei mir das Image der Stadt nachhaltig ramponieren. Ein touristisches Interesse meinerseits ist sofort erloschen, meine Empörung viel zu groß.

Update um 21:51 Uhr: Alles wird gut. Das ging ja diesmal schnell.

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Ein Kommentar

  1. Hier kann man sich den Sachverhalt noch einmal genauer anschauen. Wir werden auch alle weiteren Neuigkeiten hier veröffentlichen.

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