Nach meinem Urlaub hatte ich doch tatsächlich eine Nachricht in meinem StudiVZ/MeinVZ-Posteingang. Kommt ja auch nicht so häufig vor, irgendwie ist dieses Netzwerk ja tot – auch trotz “Buschfunk”. Die Nachricht entpuppte sich aber direkt als Spam, der Sender (in der Benachrichtungsmail noch “Daniela Springer” genannt) war bereits gelöscht:
Das ging diesmal schnell bei StudiVZ. Ich erinnere mich noch daran, dass ich vor längerer Zeit einmal ein paar Fotos gemeldet habe, auf denen Hitlergruß, Ku-Klux-Klan – Outfits und die Flagge des deutschen Reiches zu sehen war. Bis StudiVZ damals reagiert hatte, vergingen mehrere Tage und letztendlich wurden nicht alle Fotos entfernt und die Person, die die Bilder gepostet hatte war auch weiterhin aktiv.
Spam und die Vertrauensfrage
Warum reagierte StudiVZ beim Spamming so schnell, brauchte aber für das entfernen von rechtsextremen Inhalten so lange spürbar länger? Meine These lautet: Wird im großen oder kleinen Stil Spam verschickt, greift dies die Grundpfeiler von StudiVZ an – Die Vertrauenswürdigkeit der Nutzer an das System.
Der genervte Empfänger mit lauter Spam im Postfach, erkennt sofort, dass das VZ scheinbar keinen wirkungsvollen Schutz vor Spam bietet, sondern – ganz im Gegenteil – den Spammern noch eine zusätzliche technische Plattform mit Millionen Kontakten anbietet. Folge: Der Benutzer verlässt wohlmöglich das VZ, gerade wenn er so inaktiv ist wie viele dort in letzter Zeit und angesichts der Alternativen gut darauf verzichten kann.
Im Gegensatz dazu steht das Entfernen von rechtsextremen Inhalten: Die Inhalte sind zwar auch von Benutzern generiert/gepostet, aber hier würde ja kein Mensch darauf kommen, dass dies die Schuld von StudiVZ wäre. Einen Nazi-Analyser für gepostete Bilder gibt es nicht und die Nennung von “Adolf Hilter” ist per se erstmal nicht verboten, sondern hängt von dem Kontext ab, indem dies geschieht.
Es steht also “Missbrauch” (rechtsextreme Inhalte) gegen “technische Unzulänglichkeiten des Systems” (Spam). Für das erste kann StudiVZ nichts, für das zweite sehr wohl. Und das schadet in einem hart umkämpften Markt (Facebook wächst weiterhin stark, Wer-kennt-Wen liefert sich mit StudiVZ ein heftiges Duell um den Thron) dem Produkt “StudiVZ”. Und weitere Rückschläge kann man nicht hinnehmen.
Mich würde es ja mal interessieren, wie StudiVZ jetzt darauf reagiert hat. Gibt es eine Task-Force “Spam”, die sofort zuschlägt? Werden versendete Nachrichten durchsucht? Oder die Einstellungen verändert, bei denen ein (Neu-)Mitglied Nicht-Kontakten schreiben darf (und wie vielen in welchen Intervallen)? Im Developer-Blog konnte ich dazu nichts finden, aber vielleicht wisst ihr ja mehr?